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Zur Geschichte der Heinrich-Pröve-Realschule

Bald nach der Währungsreform machte man sich sowohl in Wietze als auch in Winsen Gedanken darüber, ob im Westkreis eine Mittelschule gebaut werden solle, denn bislang gab es nur die Mittelschule in Celle „Am Heiligen Kreuz“. Während man in Winsen den Bau einer Mittelschule als Chance zur Entwicklung des Ortes sah, befürchteten viele Ratsmitglieder in Wietze, die Kosten für eine Mittelschule auf Dauer nicht tragen zu können.

Deshalb kam es schließlich zu dem entscheidenden Beschluss des Kreistages:

„Durch die starke Bevölkerungszunahme in Stadt- und Landkreis Celle gestalten sich die Schulverhältnisse in Celle, insbesondere auch die Raumverhältnisse der aufbauenden Schulen, immer schwieriger, so daß die Leiter dieser Schulen nicht mehr in der Lage sind, alle Neuanmeldungen zu berücksichtigen. Von den notwendigen Zurückweisungen werden naturgemäß in erster Linie Schüler aus dem Landkreis betroffen, so daß hierdurch schon eine erhebliche Beunruhigung der Eltern dieser Schüler entstanden ist. Nachdem kürzlich in der Stadtverwaltung die Schulangelegenheit, insbesondere die Heranziehung des Landkreises Celle zu den Schullasten der Stadt, erneut erörtert worden ist, hat auch der Hauptausschuß des Kreistages in seiner letzten Sitzung sich mit dieser Sache beschäftigt. Es wurde hier die Frage geprüft, ob es zweckmäßig sein würde, das bereits früher bestandene Projekt der Errichtung von weiteren Mittelschulen im Landkreis wieder aufzugreifen. Da nun kleine Mittelschulen in verschiedenen Bezirken des Kreises insbesondere für die Schüler mancherlei Vorteile bieten und nachdem die beiden Schulräte des Kreises sich für eine Dezentralisation des Mittelschulwesens ausgesprochen hatten, hat der Hauptausschuß beschlossen, dem Kreistage zu empfehlen, weitere Mittelschulen im Kreis einzurichten und zunächst die Vorarbeiten zur Errichtung einer Mittelschule in Winsen aufzunehmen, weil der Bezirk Winsen sich für die Errichtung einer solchen Schule am besten eignet. Da auch bei der Debatte im Kreistag die gleiche Auffassung zum Ausdruck kam, beschloß der Kreistag einstimmig, dem Vorschlag des Hauptausschusses entsprechend zu verfahren. (Auszug aus dem Protokoll der Kreistagssitzung vom 20. Dezember 1949)

In der Sitzung des Gemeinderates der Gemeinde Winsen (Aller) am 16. März 1950 wurde beschlossen: das an der Bannetzerstraße gelegene Gelände des Bauern Adolf Koch, Kartenblatt 19, Parzelle 56, in Größe von 14321 qm gegen Hergabe der am neuen Damm gelegenen Schulkoppel mit 12 Morgen und Zahlung von 3000,- DM zu erwerben. Kurz vor Beginn der Bautätigkeit wurde das nach Westen angrenzende Grundstück des Bauern Georg Kahle hinzuerworben, da sich das Gelände doch als zu schmal erwies.

Am 18. April 1950 hatte Oberkreisdirektor Dr. Axel Bruns alle Bürgermeister und Gemeindedirektoren zu einer Besprechung im Sitzungssaal des Winser Rathauses eingeladen. Man kam zu folgender Aufteilung der im Kostenvoranschlag zunächst vorgesehenen Bausumme von 200.000 DM für den Mittelbau und je zwei Klassenzimmer am Nord- und Südflügel: Gemeinde Winsen 100.000 DM, Landkreis Celle 80.000 DM. Die restlichen
20.000 DM sollten im Verhältnis der Einwohnerzahl von den Gemeinden Wietze, Wieckenberg, Jeversen, Hornbostel, Südwinsen, Oldau, Meißendorf, Wolthausen, Walle, Bannetze, Thören und Stedden aufgebracht werden. Dabei wurde ein Betrag von ca. 1,70 DM je Einwohner zugrunde gelegt. Der Bau wurde vom Kreisbaumeister Arthur Schröder entworfen, die Maurerarbeiten wurden an eine Arbeitsgemeinschaft der drei Winser Baugeschäfte Adolf Dettmer, Wilhelm Hornbostel und Johann Hinsch vergeben. Baubeginn war dann am 7. Juli 1950, Grundsteinlegung am 25. Juli 1950. Bereits am 2. November 1950 fand in Anwesenheit von Regierungspräsident Dr. Koch, Landrat Stolte, Oberkreisdirektor Dr. Bruns, Schulrat Prof. Dr. Pröve, Kreisbaumeister Lahring, Kreisamtmann Böhme und Rotermund, Pastor Bensch und zahlreichen Vertretern der umliegenden Gemeinden das feierliche Richtfest der neuen Kreismittelschule Winsen statt.

Der Unterricht der neuen Winser Mittelschule begann bereits zum Schuljahresbeginn 1950 / 51, wobei der Schuljahreswechsel damals noch jeweils zu Ostern stattfand. Dazu schrieb der 1. Leiter der Mittelschule, Ewald Schrader, in der Chronik der Heinrich-Pröve-Realschule:

„Montag, 10. April 1950:

Mittelschullehrer Helmut Fligge und ich entstiegen vor dem Hotel Zur Post mit unseren Koffern dem Celler Bus. Zwei Lehrer, vorläufig das gesamte Kollegium der neuen Kreismittelschule, die aber gar nicht existierte, weder als Bau noch als Einrichtung, nur zwei Lehrer mit ihrem Auftrag, diese vom Landkreis Celle als Schulträger und der Gemeinde Winsen beschlossene und vom Regierungspräsidenten genehmigte Schule mit Beginn des Schuljahres zu eröffnen. Jeder wußte vom anderen, daß er guten Willens war, sonst kaum etwas. Wir hatten vorher zwei Besprechungen miteinander gehabt. Was erwartete uns?

Immerhin, wir wurden an der Bushaltestelle erwartet, recht freundlich und fröhlich sogar von Gemeindedirektor Edmund Thies. Er hieß uns herzlich willkommen. Wir waren dankbar für die guten Wünsche und die Fürsorge.

Für Kollegen Helmut Fligge war schon eine Unterkunft bereit bei Familie Heinrich Kohrs Am Wördel 6. – Ich wohnte zunächst bis zur Beendigung des Probeunterrichts im Sandkrug bei Helms und bezog dann auch ein Zimmer bei Kohrs, sie hatten mir ihre gute Stube eingeräumt. Unsere Konferenzen fanden nun beim gemeinsamen Mittag- und Abendessen statt.

Als am 1. August die dritte hauptamtliche Lehrkraft, Mittelschullehrer Justus Krause, eingestellt wurde und auch noch ein Zimmer im Hause Kohrs erhielt, war das Kollegium Tag und Nacht beisammen. Es wurde eine schöne Zusammenarbeit.“

Wie Herr Schrader erwähnte, hatten die Jungen und Mädchen, die eine weiterführende Schule besuchen wollten, einen einwöchigen Probeunterricht an der gewünschten Schule zu absolvieren. Während dieser Woche wurden in Deutsch und Rechnen, wie es damals hieß, jeweils zwei Arbeiten geschrieben. Da das Schulgebäude erst noch gebaut werden musste, fand der Unterricht vorerst im Konfirmandensaal in der alten Schule in der Schulstraße Nr. 9 statt. Die Tische bestanden aus Böcken, auf die Platten gelegt waren. Schüler des 7. Jahrgangs aus dem Westkreis, die die Mittelschule in Celle besuchten und gefragt wurden, ob sie nicht nach Winsen wechseln wollten, lehnten dankend ab, weil sie in diesen „Schafstall“ nicht wollten. Die ersten Schüler der neuen Schule wurden schließlich am 2. Mai 1950 eingeschult: 86 Kinder im 5. und 37 im 6. Jahrgang. Sieht man die alten Karteikarten dieser Jungen und Mädchen durch, so fällt auf, dass sehr viele dieser Kinder durch den Krieg ihren Vater verloren hatten. Die Abschlussfahrt dieses Jahrgangs führte die Schülerinnen und Schüler 1956 nach Hörnum auf Sylt und damit weiter weg, als etliche ihrer Eltern jemals vorher gereist waren, wenn sie nicht, wie viele zu jener Zeit, als Flüchtlinge aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße gekommen waren!

Bald hatte die Schule schon einen guten Ruf und wurde von Schülerinnen und Schülern nicht nur aus Winsen, sondern auch aus Wietze und sogar aus Marklendorf, Schwarmstedt, Buchholz und Essel besucht! Wer z.B. aus Schwarmstedt kam, fuhr bereits um 6.07 Uhr mit dem Zug los, um über Jeversen und Wietze nach Winsen zu gelangen. Vom Bahnhof in Südwinsen ging es dann zu Fuß zur Schule.

Nach Fertigstellung des 1. Bauabschnitts erschien eine Fortführung des Baues völlig ungesichert. Die finanziellen Kräfte der Gemeinde Winsen waren erschöpft. Mit Beginn des Schuljahres 1952 standen 7 Klassen nur 4 Klassenräume in der neuen Schule zur Verfügung. Zwei Klassen wurden wechselweise in der alten Schule unterrichtet. Für die Unterrichtsstunden, die ohne Tische möglich waren, wurde die sogenannte Bücherei genutzt, ein Teil des Unterrichts wurde in die Lehrküche verlegt. Trotz der finanziell angespannten Lage wurde im Oktober 1952 mit den Arbeiten des 2. Bauabschnitts, je ein Klassenraum am Nord- und Südflügel, begonnen. Zu Beginn des Schuljahres 1953 konnten die Klassenräume, noch ohne Fußbodenbelag und nur mit getünchten Wänden, bezogen werden.

Zu dieser Zeit bestand für alle Lehrkräfte einer Schule die Residenzpflicht, d.h., sie mussten am Ort der Schule wohnen. Deshalb wohnte auch der Schulleiter im 1. Stock des Mittelteils der Schule, weitere Kollegen im 2. Stock. Später wurde dann noch als weiteres „Lehrerhaus“ das Haus gegenüber dem Haupteingang der Schule im Meißendorfer Kirchweg gebaut.

Bereits im April 1953 hatte der Kreistag 120 000,- DM für den 3. Bauabschnitt bewilligt. Baubeginn war im Juni 1953 und bis April 1954 wurde der Abschluss des Gebäudes nach Süden mit 2 Klassenräumen, Werkraum, Nadelarbeitsraum im Dachgeschoss über dem Werkraum und Fotolabor fertiggestellt.

Jetzt wurden bereits 500 Kinder in der Mittelschule unterrichtet, sodass gleich nach Fertigstellung des 3. Bauabschnitts als 4. Bauabschnitt die Fertigstellung des Gebäudes nach Norden in Angriff genommen wurde. Hier entstanden 2 weitere Klassenräume, ein Physik- und Chemieraum mit 2 Vorbereitungszimmern und im Dachgeschoss ein Arbeitsgemeinschaftsraum und ein Gymnastiksaal in der Länge von 2 Klassenräumen.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1957 wurde die Mittelschule Winsen/Aller vom Niedersächsischen Kultusminister als vollausgebaute Mittelschule anerkannt. Damit wurde ihr das Recht zuerkannt, das Abschlusszeugnis am Ende der Schulzeit in eigener Zuständigkeit auszustellen. In diesem Zusammenhang zitierte der Mittelschulrektor Schrader in einem Brief an den Oberkreisdirektor Dr. Bruns aus einem persönlichen Brief von Regierungsschuldirektor Schüttau: „Ich gratuliere zur Anerkennung ohne Revision. Das machte unser gemeinsamer Bericht. Sie sehen, es hat sich schon gelohnt; dies ist bisher keiner Anstalt hier passiert.“ Schon 1956 hatte die Mittelschule Winsen /Aller also so einen guten Ruf, dass sie als einzige Schule ohne vorherige Revision die Anerkennung als vollausgebaute Schule erhielt!

Von Mai 1959 bis November 1960 wurden als 5. Bauabschnitt die Turnhalle und ein Lehrschwimmbecken mit den Maßen 9 x 6 m errichtet, deren Einweihung am 31. Januar 1961 erfolgte. Danach wurde der Gymnastiksaal im Dachraum des Nordflügels als Zeichensaal eingerichtet, was er bis zum Ende der Schule auch blieb.

Am 1. Januar 1965 wurden die Mittelschulen in Niedersachsen umbenannt in Realschulen und die Volksschulen in Grund- und Hauptschulen getrennt. 1966/67 erfolgte dann in zwei Kurzschuljahren die Umstellung des Schuljahreswechsels von Ostern auf Sommer. Das erste Kurzschuljahr ging vom 1. April 1966 bis zum 30. November und das zweite vom 1. Dezember 1966 bis zum 1. Juli 1967.

Ab 1. August 1968 wurden zur Entlastung der Realschule Westercelle die Realschüler aus Hambühren auch in Winsen eingeschult.

Am 20.12.1967, also schon bald nach dem Tod von Prof. Dr. Heinrich Pröve am 09.11.1967, beschloss der Kreistag einstimmig, der Schule den Namen „Heinrich-Pröve-Realschule“ zu verleihen. Darin kam die hohe Wertschätzung zum Ausdruck, die sich Prof. Dr. Pröve als Pädagoge und auch als Schulrat erworben hatte. Das Schwergewicht seiner wissenschaftlichen Arbeiten über den Beruf hinaus lag auf dem Gebiet der Heimatgeschichte und des muttersprachlichen Unterrichts. Auch als Gründer und Leiter der Kreisbücherei und Förderer und Helfer bei der Errichtung und Führung der Büchereien der Gemeinden erwarb sich Prof. Dr. Pröve besondere Verdienste. Am 17.12.1965 wurde ihm in Anerkennung seiner Leistungen das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Vom November 1970 bis März 1972 wurden im 6. und letzten Bauabschnitt eine Aula (Pausenhalle) mit Bühne, die gleichzeitig als Musikraum genutzt werden musste, weil sie sonst nicht genehmigt worden wäre, naturwissenschaftliche Fachräume für Physik, Chemie und Biologie, ein Fotolabor, eine Schülerbücherei sowie 5 Klassenräume errichtet. Nach dieser Erweiterung fanden im bisherigen Schulgebäude Umbauten statt. Vom bisherigen Lehrerzimmer wurde ein Raum für den Konrektor abgetrennt, der übrige Raum wurde Lehrerbücherei und sollte auch für Besprechungen mit Eltern und für Klassenkonferenzen genutzt werden. Ein Klassenraum wurde zum neuen Lehrerzimmer, der bisherige Kartenraum zur Lehrergarderobe, in der auch der Stundenverteilungsplan untergebracht war. Später wurde die Garderobe verkleinert und eine Teeküche abgetrennt, die den Rauchern vorerst noch als letzter Rückzugsraum diente. Der bisherige Chemie- und Physikraum wurde zum Nadelarbeitsraum, später dann zu einem normalen Klassenraum. Die Gesamtkosten für den Erweiterungsbau betrugen 2,3 Millionen, für den Umbau und die Renovierung im bisherigen Schulgebäude 250.000 DM. Der Erweiterungsbau, der übrigens bis zum Ende der Realschule immer nur „der Neubau“ hieß, wurde am 13. Juni 1972 feierlich eingeweiht. Bei der Besichtigung der fertiggestellten Räume meinte der damalige Oberkreisdirektor Dr. Bruns: „Da haben wir ja eine kleine Universität gebaut.“ In dieser Zeit nahmen Schüler der Schule unter der Leitung von Heinz Saucke sogar an dem Wettbewerb „Jugend forscht“ teil!

Das Periodensystem der Elemente an der Wand im Chemieraum, das es in dieser Form nur noch im Hörsaal der Universität in Saarbrücken gibt, wurde während der Sommerferien 1971 von den Lehrkräften Heinz Saucke, Hans Tegen, Klaus Kühn und dem damaligen Schüler Jürgen Lindhorst installiert und zusammengelötet, da der Schulträger nicht für die Finanzierung eintreten mochte.

Die neue Aula mit bis zu 400 Sitzplätzen ermöglichte der Schule die Durchführung stimmungsvoller Entlassungsfeiern, die regelmäßig durch Chor- und Orchesterdarbietungen mit gestaltet wurden. Ihren Abschluss fanden die Entlassungsfeiern häufig in einem abendlichen Ball in verschiedenen Räumlichkeiten in Winsen oder einem anderen Ort im Landkreis. Auch Theateraufführungen mit Schülerinnen und Schülern als Schauspielern unter der Leitung verschiedener Kollegen und der Kostümgestaltung durch Schülerinnen unter der Anleitung von Handarbeitslehrkräften gehörten nun zum regelmäßigen Schulleben.

In den folgenden Jahren stieg die Schülerzahl bis auf 750 Schüler an, die Zahl der Kollegen bis auf 39. Infolge dessen gab es bis zu 10 Wanderklassen, obwohl sowohl in der Aula als auch auf der Bühne jeweils eine Klasse ihren Klassenraum hatte. Um alle Schüler in dem Gebäude beschulen zu können, wurde die 5-Tage-Woche eingeführt, was dazu führte, dass an jeweils einem Tag in der Woche eine oder mehrere Klassen einen „Arbeitstag“ zu Hause hatten, für den es eine vermehrte Zahl an Hausaufgaben gab. Erst 1981 mit der Einführung der Orientierungsstufe entspannte sich die Situation, weil dann die 5. und 6. Jahrgänge an die neue eigenständige Schule abgegeben wurden.

Nach der Pensionierung des 2. Schulleiters der Schule, Willibald Heilig, im Jahr 1982, wurde die Schulleiterwohnung im 1. Stock aufgegeben, denn es gab keine Residenzpflicht mehr. Auch die letzte Lehrkraft, die noch im 2. Stockwerk des Mittelbaus wohnte, zog bald in ein eigenes Heim. Somit konnte auch veränderten Verhältnissen Rechnung getragen und weitere Umbauten vorgenommen werden. Nachdem im 2. Stock schon vorher eine Funkbude mit jeweils einem Empfänger für Amateurfunkfrequenzen auf UKW und auf Kurzwelle entstanden war, wurde nun auch noch ein Computerraum eingerichtet. Das Lehrschwimmbecken wurde mit einer Betondecke verschlossen und erst ein normaler Klassenraum, später dann die Lehrküche. In der alten Lehrküche im 1. Stock des Mittelbaus konnte deshalb ein Musikraum entstehen. Die alte Schulleiterwohnung wurde für den Handarbeitsunterricht umgebaut. Der Werkraum wurde erweitert und komplett neu ausgestattet, der Schulhof mit hohem Kostenaufwand neu angelegt. Später konnte noch der Physik-AG-Raum zu einem weiteren Computerraum, vornehmlich für die Fremdsprachen, umgewandelt werden.

Das Computerzeitalter an der Realschule in Winsen (Aller) begann im Herbst 1984 mit der Spende eines Sharp-Computers durch die Volksbank Winsen. Durch eine Altpapiersammelaktion und die Hilfe des Schulvereins konnten bald noch zwei weitere Computer angeschafft werden, sodass schon bald mit 6 bis 8 Schülern pro Gerät die ersten Arbeitsgemeinschaften starten konnten. Im Sommer 1986 schaffte der Landkreis dann 8 professionelle Geräte der Fa. Siemens für zusammen 35.000 DM an. Von diesen hatte nur das Lehrergerät eine Festplatte mit 20 MB, die Schülergeräte hatten nur jeweils 2 Diskettenlaufwerke. Aber damit war der Schritt in ein neues Zeitalter getan.

Seit 1978 bestand ein regelmäßiger Schüleraustausch mit Frankreich, zuerst mit einer Schule in Octeville, später mit dem Collège St. Joseph in Herbignac. 1994 kam dann noch als weiterer Austausch eine Partnerschaft mit der Birkelundschule in Holstebro / Dänemark dazu.

Trotz intensiver Bemühungen gelang es dagegen aber nicht, auch eine Partnerschaft mit einer Schule in England zu begründen. Dafür fanden aber auch Abschlussfahrten 10. Jahrgänge unter anderem nach London statt.

Im Jahr 1994 fand auch erstmals der Weihnachtsmarkt statt, zusammen mit der Volksbank Winsen auf dem Parkplatz hinter ihrem Gebäude. Ab 1995 haben die Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Kolleginnen und Kollegen den Weihnachtsmarkt am Samstag vor dem 1. Advent in der Aula der Heinrich-Pröve-Realschule zu einer festen Einrichtung im Veranstaltungskalender der Gemeinde Winsen (Aller) werden lassen. Auch viele Ehemalige nutzen diese Gelegenheit auch heute noch für ein Treffen in ihrer alten Schule. Lediglich im Jahr 1999 fiel der Weihnachtsmarkt wegen der umfangreichen Vorbereitungen auf die Feier zum 50jährigen Bestehen der Schule einmal aus. In dem Jahr wurde durch die Mitarbeit mehrerer Kolleginnen und Kollegen eine umfangreiche Festschrift erstellt. Die Schule stellte sich bei verschiedenen Veranstaltungen während einer gesamten Festwoche der Öffentlichkeit dar. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten waren ein Ball und eine Disco mit rund 900 Gästen in den Räumlichkeiten der Union in Celle.

Obwohl die 5. und 6. Jahrgänge seit 1981 in der benachbarten Orientierungsstufe, einer eigenständigen Schule, unterrichtet wurden, kam es dadurch, dass die Schule aufgrund ihres guten Rufes sechszügig wurde, in den 90er Jahren wieder zu einem Raummangel mit mehreren Wanderklassen. Um diesem abzuhelfen wurden im Sommer 2002 westlich des Haupthauses 4 Containerklassenräume als „Provisorium“ errichtet, die bis zum Ende der Realschule und darüber hinaus bestehen blieben.

Zum 1. August 2003 wurde die Heinrich-Pröve-Realschule zusammen mit der Hauptschule Winsen freiwillige Ganztagsschule. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die den Ganztag wählten, bekamen gegenüber den Schülerinnen und Schülern im Halbtag 5 Stunden mehr Unterricht und hatten dann am Dienstag und am Donnerstag bis 15.45 Uhr Schule. Der zusätzliche Unterricht bestand hauptsächlich in zusätzlicher Förderung in den Hauptfächern sowie zwei Hausaufgabenstunden, in denen jeweils ein Hauptfachlehrer der Klasse anwesend war. Am Montag und Mittwoch wurden gemeinsam mit der Hauptschule verschiedene Arbeitsgemeinschaften angeboten, vornehmlich in den Bereichen Sport und musische Bildung. Die Teilnahme an einer Arbeitsgemeinschaft war innerhalb von 2 Jahren einmal verpflichtend, weitere Arbeitsgemeinschaften konnten freiwillig besucht werden. Während der einstündigen Mittagspause bestand die Möglichkeit, ein warmes Mittagessen einzunehmen. Hierfür hatte der Landkreis in der Aula eine Essenausgabe mit Gerätschaften eingerichtet, die alle innerhalb kurzer Zeit abgebaut und herausgerollt werden konnten, so dass die Aula wieder als Versammlungsraum bestuhlt werden konnte. Für den Abwasch wurde ein Klassenraum umgewidmet und mit einer großen Geschirrspülmaschine bestückt. Im ersten Jahr erfolgten Essenausgabe und Abwasch mit Müttern auf freiwilliger Basis, danach stellten der Caterer und schließlich der Landkreis erforderliches Personal. Anfangs nahmen die Schülerinnen und Schüler der Ganztagsklassen das Mittagessen gemeinsam ein, später wurde diese Praxis der Schule vom Kultusministerium verboten und die Teilnahme durfte nur noch auf freiwilliger Basis erfolgen. Dadurch fiel ein Gemeinschaftserlebnis für die Schülerinnen und Schüler weg, dem innerhalb des Ganztagskonzeptes eigentlich eine große Bedeutung zukam.

Neben der zusätzlichen Betreuung und Förderung der Schülerinnen und Schüler war ein weiterer unschätzbarer Vorteil des Ganztags, dass die Haupt- und die Realschule zusammen einen Sozialpädagogen einstellen konnten, der nicht nur im Ganztag sehr segensreich wirkte und das Kollegium in ihrer Erziehungsaufgabe mannigfach unterstützte!

Mit Ablauf des Schuljahres 2003/04 wurden in Niedersachsen die Orientierungsstufen als eigenständige Schulen wieder abgeschafft. Deshalb nahm die Heinrich-Pröve-Realschule zum 1. August 2004 insgesamt 232 Schülerinnen und Schüler im 5., 6. und 7. Jahrgang auf. Damit kam die Schule auf knapp 800 Schüler. Um alle Klassen unterbringen zu können, teilte sich die Schule das Gebäude der aufgelösten Orientierungsstufe im Meißendorfer Kirchweg 9 mit der neu eingerichteten Außenstelle des Hermann-Billung-Gymnasiums. Die Realschule erhielt Räume im unteren Flur und in den Containern auf dem Hof, das Gymnasium zog in die oberen Räume ein, das Lehrerzimmer wurde gemeinsam genutzt. Nachdem das Gymnasium nach einigen Jahren ausgezogen war, teilte sich die Schule die Räumlichkeiten mit der Astrid-Lindgren-Förderschule, die aus Hambühren in dieses Gebäude umzog.

Zeitgleich mit der Auflösung der Orientierungsstufen wurden in Hambühren und Wietze, wie auch andernorts im Landkreis, an den dortigen Hauptschulen Realschulzweige eingerichtet. Deshalb durften ab diesem Zeitpunkt Schülerinnen und Schüler aus diesen Orten nur dann noch die Heinrich-Pröve-Realschule in Winsen (Aller) besuchen, wenn sie sich für den Ganztagszweig anmeldeten. Alle anderen Jungen und Mädchen mussten in ihren Heimatorten die Schule besuchen. Eine weitere Abwanderung machte sich in geringerem Maße auch zu der Kooperativen Gesamtschule in Schwarmstedt bemerkbar. Durch diese Umschichtungen insgesamt kam die Schule in den folgenden Jahren von einer Sechszügigkeit nur noch auf eine Dreizügigkeit, was sich natürlich im Wahlpflichtbereich negativ auswirkte, indem dann auch nur noch ungefähr die Hälfte der Kurse gegenüber vorher angeboten werden konnte. Ohne den Ganztagsbereich wäre der Schülerrückgang aber noch größer geworden und es hätte somit nur noch für eine Zweizügigkeit der Schule gereicht.

Dieser Schülerrückgang in allen Schulen, der auch dem demografischen Wandel geschuldet war, veranlasste den Landkreis Celle als Schulträger 2011, sämtliche Haupt- und Realschulen zum 1. August 2012 zu Oberschulen zusammenzufassen. Für die Heinrich-Pröve-Realschule bedeutete das, dass ihre Geschichte, nachdem man im Jahr 2010 noch das 60-jährige Jubiläum gefeiert hatte, am 31. Juli 2012 nach 62 Jahren endete. Alle Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte verabschiedeten „ihre“ Schule mit einem großen, letzten Schulfest.

 

 

In den 62 Jahren wurden 4928 Schülerinnen und Schüler von insgesamt 164 Lehrkräften zum Abschluss geführt!

Konrektoren:                                                                         Schulleiter:

Helmut Fligge                         1950 – 1966                           Ewald Schrader           1950 – 1966

Paul-Gerhard Zeblewski        1966 – 1989                           Willibald Heilig             1966 – 1982

Sieghart Junge                       1990 – 1995                           Harald Unger              1982 – 1994

Angelika Hoppe                     1996 – 2012                           Sieghart Junge            1995 – 2012

Am 1. August 2012 ist die Heinrich-Pröve-Realschule zusammen mit der Hauptschule Winsen (Aller), der Haupt- und Realschule Hambühren und der Haupt- und Realschule Wietze in der größten Oberschule Niedersachsens aufgegangen.

Für diesen kurzen Abriss der Geschichte der Heinrich-Pröve-Realschule Winsen (Aller) war mir die von den Kolleginnen und Kollegen Angelika Hoppe, Dietmar Köhne, Monika Meyer, Wolfgang Otto und Bodo Thielke zum 50-jährigen Jubiläum der Schule im Jahr 2000 erstellte Festschrift eine große Hilfe.

Februar 2016, Sieghart Junge